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Im ersten Teil des Artikels haben wir uns der Luftfeuchtigkeit gewidmet und wie diese das Raumklima und Schimmelwachstum abhängig von der Temperatur b...

Plötzlich Schimmel: “Wenn Feuchtigkeit zu einem Problem wird” - Teil 2: Warum jetzt, und früher nicht?

August 9, 2018

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Feinstaub überall

September 6, 2018

 

 

 

Kürzlich erregte eine chinesische Studie Aufmerksamkeit mit der Behauptung, dass eine hohe Konzentration von Feinstaub und Stickoxiden einen direkten Einfluss auf die menschliche Intelligenz haben könnte [1]. Diese Behauptung ist durchaus umstritten, lenkt jedoch die Aufmerksamkeit auf ein stark unterschätztes Problem. Nach einer Studie der EU sterben jährlich 310.000 Menschen in der EU (davon 65.000 in Deutschland) vorzeitig aufgrund schlechter Luftbedingungen [2]. Gerade wenn Sie im Ruhrgebiet leben, können Sie statistisch 1-2 Jahre Lebenserwartung gegenüber einem Norweger verlieren. Das Problem ist bekannt und wird politisch auf EU-Ebene auch ernst genommen. Doch zwischen der Empörung im Zuge des Abgasskandals werden auch immer wieder Stimmen laut, die die neuen Grenzwerte der EU in Frage stellen. Es scheint als hätte der Normalbürger mehr Angst um seinen VW-Diesel als um seine Gesundheit.

 

 

 

 

 

Statistische Reduktion der Lebenserwartung aufgrund erhöhter PM2.5 Konzentrationen in Monaten. Basierend auf den Messdaten von 2000 nach [3].
Bild-Quelle: http://www.paulotavares.net/air/wp-content/uploads/2011/02/EU-mortality-map.jpg 06.09.2018

 

 

Warum erhitzt dieses Problem so wenige Gemüter und was ist überhaupt Feinstaub?

 

Staub kennt jeder vom heimischen Wohnungsputz. Oft wundern wir uns wie sich in so kurzer Zeit so viel Staub auf Schränken oder in Wohnzimmerecken sammeln kann. So nervig der Staub auch ist, er ist ungefährlich und lässt sich schnell beseitigen. Je nach Definition wird Staub als Feinstaub bezeichnet, wenn dieser eine Größe von weniger als 10 Mikrometer (µm) hat, was etwa einem Zehntel des Durchmessers eines Haares entspricht. Feinstaub ist im Materiellen nichts anderes als Staub, nur eben "feiner". Was soll daran gefährlich sein?

 

Mit der Größe der Partikel ändern sich wesentliche Eigenschaften des Staubes und wie er bei uns wirkt. Mit jedem Atemzug atmen wir mit der Luft auch die enthaltenen Partikel ein. Damit die Luft in unsere Lunge gelangt muss sie durch Mund, Rachen und Luftröhre strömen. Dabei hilft ein wenig die Physik bzw. die Aerodynamik. Größere Partikel folgen dem Luftstrom aufgrund ihrer Trägheit nicht perfekt und so stoßen sie in der Regel an die Schleimhäute in Mund- oder Rachenraum. Hier gebundene Partikel sind unbedenklich für den Menschen und werden einfach abgebaut. Der sichtbare Hausstaub fällt in diese Kategorie und ist daher auch unbedenklich. Problematisch ist es, wenn die Partikel bis in die Bronchien oder sogar bis in die Lungenbläschen gelangen können. Und genau das passiert bei Partikeln, die kleiner als 10µm (noch stärker, wenn sie kleiner 2.5µm) sind - dem Feinstaub.

 

Partikel, welche sich in Lunge und Bronchien ablagern, werden zwar auch vom Körper abgebaut, verursachen aber den sog. "Oxidativen Stress" und Entzündungsreaktionen, welche mit chronischen Atemwegserkrankungen wie COPD oder Lungenkrebs einhergehen. Entscheidend ist auch die Zusammensetzung des Feinstaubs und deren Quelle. Besonders schädigend sind Partikel mit einem hohen metallischen Anteil oder mit chemisch aktiven Substanzen, wie sie oft in Verbrennungsprozessen entstehen. Durch eine Meeresbrandung produzierte Salzpartikel hingehen können sogar einen positiven Effekt haben.

 

Nun könnten Sie verleitet sein beim nächsten Wohnungsputz etwas gründlicher zu putzen, um das Problem zu beseitigen. Leider hat der Feinstaub eine weitere nervige Eigenschaft - er lagert sich nur sehr, sehr langsam auf Oberflächen ab. Das heißt den Feinstaub können Sie so einfach nicht wegputzen, denn der Staub auf Möbeln besteht zum größten Teil aus "normalen" Hausstaub und nicht aus Feinstaub. Die Folge ist, dass Feinstaub relativ lange in der Luft bleibt. Es hilft meist nur, die Quellen des Feinstaubs zu reduzieren, was bei Stadtluft nicht so einfach ist.

 

Es ist also wichtig festzustellen, dass Feinstaub nicht viel mit Hausstaub zu tun hat und ein ernst zu nehmendes Problem darstellt, das sich nur dadurch beseitigen lässt, dass Quellen des Feinstaubs beseitigt werden und eine der größten Quellen für Feinstaub ist der Verkehr.

 

Quantifiziert wird die Feinstaubkonzentration mit PM10 und dem PM2.5 Wert. "PM" steht dabei für Partikelmasse und die dazugehörige Zahl für den Partikeldurchmesser. PM10 bezeichnet also die Partikelmasse in der Luft, welche kleiner als 10µm ist. Wenn sie sich für die aktuellen Werte an Ihrem Ort interessieren, können sie mal bei: http://luftdaten.info vorbeischauen. Hier sammeln Freiwillige die Feinstaubdaten ihrer Umgebung und bei Interesse können Sie dabei auch mithelfen.

 

Historisch wurden zunächst Grenzwerte für den PM10 festgelegt, nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen wurde der PM2.5 hinzugefügt, welcher noch besser gesundheitliche Folgen vorhersagen kann. An vielen Orten wird allerdings leider nur der PM10 gemessen, daher haben beide Werte Relevanz.

 

Die WHO hat für den PM2.5 einen Richtwert von 10µg/m³ festgelegt. Der Zielwert der EU liegt dabei sogar noch darüber mit einem Jahresmittelwert von unter 20µg/m³ [4]. Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels (06.09.2018 12:00) beträgt der PM2.5 Wert in unserem Büro in Berlin vorbildliche 9µg/m³. Zum gleichen Zeitpunkt müssen Bewohner Düsseldorfs 40µg/m³ einatmen. Ein Problem, das uns alle betrifft...

 

[1] Pope CA, Ezzati M, Dockery DW. Fine Particulate Air Pollution and US County Life Expectancies. The New England Journal of Medicine. 2009;360(4):376-386.

[2]  AirNet, Air-pollution and the Risks to Human Health, 2004 Report

[3] CAFE CBA Baseline Analysis 200 to 2020

[4] https://www.umweltbundesamt.de/themen/luft/luftschadstoffe/feinstaub

 

 

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