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Plötzlich Schimmel: “Wenn Feuchtigkeit zu einem Problem wird” - Teil 2: Warum jetzt, und früher nicht?

August 9, 2018

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Plötzlich Schimmel: “Wenn Feuchtigkeit zu einem Problem wird” - Teil 2: Warum jetzt, und früher nicht?

August 9, 2018

Im ersten Teil des Artikels haben wir uns der Luftfeuchtigkeit gewidmet und wie diese das Raumklima und Schimmelwachstum abhängig von der Temperatur beeinflusst. Hohe Luftfeuchtigkeit in Innenräumen ist jedoch kein Phänomen, welches erst seit kurzem auftritt.

 

Aber wieso führt die erhöhte Luftfeuchtigkeit in Innenräumen heutzutage zu so großen Problemen, und früher nicht? Was hat sich geändert? Generell lässt sich das Auftauchen des Problems an zwei wichtigen Faktoren festmachen, die sich vor allem in den letzten 30 Jahren verändert haben, und zwar das Wohnverhalten und die Bausubstanz.

 

Das Wohnverhalten

Jede Person entlässt pro Tag bis zu 1.5 Liter Wasser in die Luft. Durch Duschen, Kochen oder Wäschetrocknung gelangen literweise Wasser in die Raumluft. Eine Änderung des Wohnverhaltens kann dazu führen, dass mehr Wasser als früher in die Raumluft gelangt. Wenn beispielsweise Wäsche statt in speziellen Wäschetrocknungsräumen im Keller in der Wohnung getrocknet wird oder häufiger und länger geduscht wird. Ein wichtiger Faktor ist also die Menge des konstant abgegebenen Wassers.​

 

Ein weiterer Faktor kann das erhöhte Energiebewusstsein des Mieters sein, der seine Wohnung zum Schutze des Klimas oder Geldbeutels weniger heizt. Dies führt dazu, dass Wände tendenziell auch kälter werden und so die Wandfeuchtigkeit begünstigt wird.

 

Auch die Möblierung kann einen Einfluss haben. Gerade große Schränke oder Betten an Außenwänden können dazu führen, dass die Wände von der warmen Raumluft isoliert werden und so ebenfalls kälter als eigentlich nötig sind.

 

Die Bausubstanz

Gerade in den letzten Jahren hat eine konstante Verbesserung der Wärmeisolierung durch Sanierung stattgefunden. Diese Modernisierungsmaßnahmen sind richtig und wichtig, führen aber anschließend häufig zu Problemen.

 

Die kälteste Stelle in ihrer Wohnung könnte vor der Sanierung Ihr Fenster gewesen sein. Moderne Fenster sind stärker isoliert und werden schlicht nicht mehr so kalt. Anschließend kondensiert die Luft weniger an den Fenstern und vermehrt an den kalten Wänden. Weitere Maßnahmen zur Wärmedämmung können einen ähnlichen Effekt erzeugen. Generell gilt - je mehr eine Wohnung isoliert wird, desto höhere Anforderungen entstehen bei der Entfeuchtung der Raumluft.

 

Natürlich können auch bauliche Schäden zu vermehrter Feuchtigkeitsbildung führen, dies kann jedoch nur von einem Experten verlässlich erkannt werden.  

 

Was mache ich nun?

Wenn wir Probleme mit der Feuchtigkeit haben, haben wir zuviel Wasser für unseren Eimer.


Die erste Idee könnte sein: Wir brauchen einen größeren Eimer! Indem wir mehr heizen wäre auch der Eimer größer. Durch die höhere Temperatur werden tendenziell auch die Wände und Fenster nicht so stark abkühlen und Feuchtigkeitsbildung wird verhindert. Sollten Sie also Kondensation beobachten, kann mehr Heizen das Problem kurzfristig etwas verbessern.

 

Allerdings werden Sie sich nicht unbedingt auf die nächste Heizkostenabrechnung freuen und das eigentliche Problem werden Sie dadurch nicht los. Denn eigentlich haben Sie schlicht zuviel Wasser im Eimer.

 

Wie schon erklärt, entsteht durch das Wohnverhalten ein konstanter Zustrom von Wasser. Sie sollten überprüfen, ob Sie Ihr Wohnverhalten ändern können, indem Sie die Wäsche in einem Wäscheraum trocknen statt im eigenen Wohnzimmer oder Möbelstücke von Außenwänden entfernen.

 

Wenn allerdings das Wohnverhalten nicht geändert werden kann oder die Ursache in einer baulichen Maßnahme liegt, gibt es nur noch eine meist viel einfachere Lösung: Ein regelmäßiger Austausch der feuchten Luft durch Lüften.

 

Betonung sollte hierbei auf “regelmäßig” liegen, denn es reicht oft nicht nach Bedarf oder Bauchgefühl zu lüften. Durch Ihr Wohnverhalten reichern Sie die Luft jeden Tag mit Wasser an, also müssen Sie logischerweise auch jeden Tag Wasser loswerden. Das mag in schlechter isolierten Wohnungen nicht zu Problemen geführt haben - moderne Wohnungen sind hierbei allerdings nicht so verzeihlich.

 

Lüften Sie nicht nur im Sommer - Stoßlüften Sie in den Wintermonaten selbst bei sehr kalten Temperaturen, indem Sie die Fenster weit öffnen. Eine Lüftung sollte mindestens 5 Minuten dauern. Im Winter sollten Sie anschließend die Fenster wieder verschließen. Vergessen Sie die Kippfunktion Ihrer Fenster für den Winter komplett! Viele Menschen neigen dazu, gerade bei kalten Temperaturen nur kurz zu lüften aus Sorge vor hohen Heizkosten oder nutzen die Kippfunktion als teure aber bequeme Lüftungsalternative. Eine Stoßlüftung tauscht im Wesentlichen die Raumluft aus, während Wände warm bleiben, daher brauchen Sie keine Sorge vor unnötigen Heizkosten zu haben.
 

Lüften Sie mindestens zweimal täglich. Bei bekannten Problemen mit Feuchtigkeit oder akuter Schimmelgefahr häufiger, bis zu sechsmal täglich.
 

Im dritten Teil gehen wir nochmal richtig ins Detail. Für alle Hobbyphysiker und Formelpropheten tauchen wir ein in die physikalischen Details zur feuchten Luft.
 


 

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